Die Welt des Weins: Deutsche Rebsorten

Spätburgunder und Riesling gehören zu den beliebtesten und am meisten kultivierten Rebsorten in Deutschland. Daneben gibt es aber in den deutschen Weinanbaugebieten noch etwa 150 weitere Rebsorten, die in ihrer Vielfalt die Grundlage der Weinkultur zwischen Bodensee und Elbe bilden. Nicht nur Weinkennern dürften Sorten wie Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling oder Kerner zumindest von Namen bekannt sein. Einige der deutschen Weiß- und Rotweinrebsorten werden wie Arbst oder Fränkischer Burgunder seit vielen Generationen von Winzern angebaut. Andere wie zum Beispiel Acolon, Solaris oder Johanniter tragen erst seit wenigen Jahrzehnten zur Buntheit in Deutschlands Weinwelt bei.  Die Welt des Weins ist überaus groß. Etliche dieser Rebsorten haben ihren Ursprung in Deutschland, etliche andere Sorten stammen aus anderen Weinländern. Drei der bekanntesten deutschen Rebsorten sind im Folgenden kurz vorgestellt:

Dornfelder – harmonischer Roter aus Weinsberg

Bei der Dornfelder-Traube handelt es sich um eine 1955 in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein in Weinsberg (Nordost-Württemberg) entwickelte Neuzüchtung. Seit den 1970er Jahren wurde die robuste, im Ausland kaum angebaute Rotweinrebe zu einer der populärsten deutschen Rotweinsorten. Insbesondere in Rheinhessen, in der Pfalz und im Nahe-Gebiet findet sich der gemäßigte Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit stellende Dornfelder häufig. Der durchgängig als kräftig und harmonisch beschriebene, dunkelrote Dornfelder-Wein wird vornehmlich entweder jung, etwa als Primeur, oder reifer in Barrique-Fässern ausgebaut angeboten. Selten wird die Dornfelder-Traube zur Herstellung von Sekt oder Rosé verwendet.

Bei jungen Dornfelder-Weinen stehen fruchtige Aromen wie Holunder oder Brombeere beim Geschmackserlebnis im Vordergrund. Bei länger fassgereiften, strukturreichen Dornfelder-Varianten wird das Fruchtaroma durch markante Gerbstoffe abgedeckt. Diese körperreichen Rotweine weisen in der Regel im Gegensatz zu den leichteren Jungweinen einen Alkoholgehalt von 13,0 % und mehr auf. Sie passen hervorragend zu Käse und Wild.

Müller-Thurgau – weltweit verbindender Wein

Auf gut einem Achtel der deutschen Weinanbaufläche wachsen Stöcke der Sorte Müller-Thurgau. Aber auch in der Tschechischen Republik, in der Slowakei, in Ungarn, in Österreich, sogar in Japan und anderen Ländern gehört Müller-Thurgau zu den wichtigsten Weißweinrebsorten. In der Weinhochburg Frankreich allerdings nicht. Die weltweit beliebte, oft auch als „Rivaner“ bezeichnete Neuzüchtung geht auf den Schweizer Botanik-Professor Hermann Müller-Thurgau zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Forschungsanstalt Geisenheim (Hessen) tätig war. Müller-Thurgau hatte die nach ihm benannte Rebe 1882 als Kreuzung aus Riesling und Madeleine royale gezüchtet. 

 

Die an Bodenbeschaffenheit und Anbau nur vergleichsweise geringe Ansprüche stellende Rebsorte ist Basis für zumeist junge, spritzig-süffige und eher milde Weine. Typisch ist ein liebliches Muskataroma. Die häufig blassgelblichen Weine werden gern als Begleiter zu leichten Speisen und als alltagstaugliche Schoppenweine genossen. Trockene Müller-Thurgau-Weine können trotz ihres manchmal abträglichen Rufs als Massenwein qualitativ durchaus überzeugend sein.

Silvaner – österreichischer Import

Der Ursprung der Silvaner-Traube war lange strittig. Bis vor kurzem wurde oft Siebenbürgen als mögliche Silvaner-Heimat vermutet. Die heute herrschende Meinung geht dagegen davon aus, dass die Rebsorte vor vielen Jahrhunderten in Österreich aus einer Kreuzung aus Traminer und einer alpenländischen Rebsorte entstanden ist. Mitte des 17. Jahrhunderts gelangten erste Pflanzen des Weißweins aus Österreich nach Franken. Hier und im übrigen Deutschland wurde der mitunter auch „Österreicher“ genannte Silvaner bald zu einem der meist angebauten Weine. Seine bis in die 1970er Jahre quantitativ dominierende Stellung hat Silvaner aber mittlerweile wieder abgeben müssen. Immerhin wird er aktuell auf immerhin noch etwa fünf Prozent der deutschen Anbaufläche kultiviert.

Aus den außergewöhnlich viel Pektin und wenig Säure aufweisenden Silvaner-Beeren werden zum großen Teil unkomplizierte, gut zu Fischgerichten passende Sommerweine von eher einfachen Qualitäten hergestellt. Daneben können Silvaner-Trauben aber auch für ausgezeichnete mittelschwere Barrique-Weine oder hochwertige Eleganz stehen. Charakteristisch für Silvaner-Weine sind dezente Obstaromen und Anklänge an getrocknetes Gras.

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